von Sarah Arriagada und Hannah Elsche
„Das Kunstwerk als dauerhafter Beweis des Schaffens gibt Mut und Trost. Es kann ein gelebtes und gestaltetes Leben symbolisieren.“
Biografiearbeit zeigt sich neugierig, offen, verspielt und weiterentwicklungsfähig. Als wichtiger Bestandteil pädagogischer, beratender und therapeutischer Arbeitsfelder, erfährt die Biografiearbeit Bereicherung und Erweiterung durch die Fachbereiche, in welchen sie bereits als ein Baustein einen wichtigen Stellenwert hat.
Künstlerisch-kreative Methoden werden gerne und zunehmend von Trainer:innen und Dozent:innen in das biografische Arbeiten integriert und von Seminarteilnehmenden häufig als freudvoll und inspirierend erlebt.
Ein weiteres Kartenset aus dem Beltz Verlag beschenkt uns biografisch arbeitende Menschen mit wichtigen Anregungen und Impulsen aus der Kunsttherapie für die eigene Praxis. Den beiden Autorinnen ist es gelungen ein feines, kompaktes Grundlagenwerk der Kunsttherapie zu erschaffen. Die Essenz der Kunsttherapie wurde kurz und knapp und doch mit allen wichtigen Details herausgearbeitet. Acht Module ermöglichen einen schnellen und umfassenden Überblick über kunsttherapeutisches Denken und Handeln. Gleichzeitig zeigen die Autorinnen die Komplexität und das umfangreiche Wissen auf, das den Beruf der Kunsttherapeutin / des Kunsttherapeuten auszeichnet. Schnell wird deutlich, dass es nicht ausreicht, sich eine künstlerische Technik angeeignet oder eine Methode in die eigene Berufspraxis integriert zu haben um sich als Kunsttherapeut:in bezeichnen zu dürfen. Leider ist die Berufsbezeichnung noch immer nicht geschützt.
Der besondere Wert dieses Kartensets besteht jedoch u.a. darin, Nicht-Kunsttherapeut:innen vielfältige Anregungen anzubieten, die eigene, professionelle Haltung zu reflektieren und künstlerisch-kreative Interventionen im individuellen Setting zu integrieren. Die Module Setting und Beziehungen lassen sich leicht für die eigene Profession adaptieren und beleuchten Themen wie Abstinenz, Allianzen und Dynamiken innerhalb eines Prozesses. Das Modul Kunsttherapeutische Ansätze hilft bei der Verortung der eigenen Position im sozialen Berufsfeld. Das Modul Material bildet kompakt, aber doch auch prägnant ab, welche Bedeutung der Materialvielfalt zukommt. Gleichzeitig bekommt man einen guten Eindruck über die Wirkweisen und Anwendungsmöglichkeiten von Materialien. Das Modul Künstlerischer Prozess könnte Fachfremde mit Fachbegriffen und spezifischen Themen überfordern oder aber anregen sich intensiver mit diesen zu beschäftigen. Das Modul Einstieg bietet auch anderen Berufsgruppen leicht umzusetzende Möglichkeiten den Anfang einmal anders als bewährt zu gestalten.
Explizit sind die Module Ethik und Abschied erwähnenswert. Sie unterstreichen die Bedeutsamkeit der hier bearbeiteten Themen wie beispielsweise Fürsorge- und Schweigepflicht, Nachhaltigkeit oder die Gestaltung von Lebensübergängen. Im beiliegenden Booklet lassen sich weiterführende Erläuterungen finden. Für die Praxis ist die eingefügte Materialliste besonders wertvoll.
Besonders gelungen sind die vertiefenden Anregungen (Impuls) auf jeder Karte. Auch als erfahrene Kunsttherapeutin finde ich hier neue Ideen und Reflexionsmöglichkeiten zur Weitung der eigenen Perspektiven und auch Künstler:innenbeispiele.
Zunächst fand ich die Gestaltung als Kartenset für ein Grundlagenwerk etwas befremdlich. Doch die Vorteile zeigten sich rasch. Je nach Anwendung, ob als Studierende:r, Fachfremde:r, Dozent:in oder erfahrene:r Kunsttherapeut:in, kann ich mir die Karten individuell zusammenstellen und bündeln, was mir aktuell wichtig ist. Die Bildvorderseiten sind ebenfalls auf den zweiten Blick beeindruckend. Als Ästhetin bevorzuge ich anregende, leuchtende und vielschichtige Bilder. Doch genau um solche, geht es ja in der Kunsttherapie keinesfalls. Die sorgfältige und gezielte Auswahl der Bilder ermöglicht den gezielten, kreativ-therapeutischen Einsatz der Karten im fachspezifischen Setting. Zum Beispiel werden verschiedene Menschentypen in Beziehung dargestellt, unterschiedliche Räumlichkeiten oder Techniken.
Insgesamt ist hier eine bunte Vielfalt an Interventionen und Impulsen entstanden, die für jede professionell tätige Person im sozial-therapeutischen Kontext wertvolle Schätze beinhaltet.
Sandra Deistler
Dipl. Kunsttherapeutin (FH)
Trainerin für Biografiearbeit
HP Psych





