Spiritualität als Brücke in den Ruhestand 

Von Britta Laubvogel

Der Übergang in den Ruhestand markiert in einer älter werdenden Gesellschaft den Eintritt in eine neue Lebensphase. Frisch Pensionierte haben bei guter Gesundheit durchschnittlich 20 – 30 Jahre Lebenszeit vor sich, die gestaltet werden will. Dabei blicken sie auf ca. 30-40 Berufsjahre zurück. Es sind die Babyboomer (Jahrgänge 1950 – 1964) oder die Power Ager, wie sie auch genannt werden, die jetzt in den Ruhestand gehen. Und das sind viele!

Loslassen

Eine Brücke ist ein geeignetes Bild, um den Prozess dieses Lebensübergangs zu beschreiben. Wir verlassen das eine Ufer, gehen über die Brücke bis wir das andere erreichen. So ist der Übergang von der beruflichen in die nachberufliche Lebensphase zunächst geprägt vom Loslassen. Es gilt Abschied zu nehmen von gewohnter Tagesstruktur, von Kolleg*innen, Aufgaben, Rollen u.a. Manches fällt leicht, anderes ist mit Trauer verbunden. Rückblick auf die berufliche Lebenszeit halten bedeutet auch, Bilanz zu ziehen. Dabei geht es darum, Gelungenes, Erfolge und auch Scheitern, Unerreichtes und Misserfolge in den Blick zu nehmen und zu würdigen. Würdigung der Arbeitsleistung und der Erfahrungen im Berufsleben scheint mir eine wichtige Voraussetzung zum Loslassen zu sein.

Schwellenzeit

Zwischen Abschied und Aufbruch ist die Zwischenzeit oder Schwellenzeit. Im Bild der Brücke gesprochen ist das der eigentliche Gang über die Brücke. Je nach Brückentyp kann es da zu Schwankungen kommen, ein Blick in die Tiefe einer Schlucht kann Unbehagen und Unsicherheit auslösen. Ambivalenz zwischen Abschied vom Alten und Neugier auf Neues- beschreibt in etwa die Befindlichkeit vieler Menschen beim Übergang in den Ruhestand.

Fragen steigen auf: Wer bin ich ohne Arbeit? Welche Werte sind mir wichtig? Welche Beziehungen möchte ich vertiefen oder auch beenden? Gedanken an die Endlichkeit des Lebens treten öfter ins Bewusstsein. Ich denke, dass diese Zeit sehr wichtig ist und ihre ganz besondere Aufmerksamkeit braucht und manchmal auch ausgehalten werden muss. Manche beschreiben den Übergang auch als Wüstenzeit. Eine Zeit der Wandlung, in der Rückzug, Stille sein darf. Es ist eine Zeit, in der Menschen vom Tun ins Sein kommen. „Wesentlich werden“ – so sagte eine Teilnehmerin in einem Seminar. Eine Zeit, in der sich dann langsam Neues zeigen kann. Keiner muss am Tag des Eintritts in den Ruhestand einen festen Plan haben, was danach kommt.

Ankommen

Auch das Ankommen in der neuen Lebenshase ist ein Prozess. Da ist noch einmal alles offen, viele Möglichkeiten zeigen sich. Um zu Entscheidungen zu kommen, ist es hilfreich, die eigenen Ressourcen, Träume, Kompetenzen zu kennen. Manchmal geht es auch darum, Verpflichtungen, die sich ins Leben stellen anzunehmen. Vielfältig kann das nachberufliche Leben gestaltet werden.

Begleitung

Zur Unterstützung dieses Übergangs biete ich seit 2020 online Kurse unter dem Titel „Ruhestand- ein unbekanntes Land“ an. Auch Seminare in Präsenz im Kloster Schwanberg gehören zu meinen Angeboten.  Die Teilnehmenden sind vor allem dankbar für den Austausch, die Anregungen, Impulse – so erleben sie: Wir sind gemeinsam unterwegs in dieses „unbekannte Land.“

Britta Laubvogel
Biografiearbeiterin, Buchautorin

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