Kürzlich kam ich von einem Lehrgangsmodul „Kommunikation“ zurück, dass ich leiten durfte. Erschöpft saß ich im Zug, doch das wohlige Gefühl der Zufriedenheit überwog. 16 Menschen lernte ich dort kennen, von Anfang 20 bis geschätzt 70 Jahre alt. Männer und Frauen aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Die meisten kamen aus Ostdeutschland, wenige aus Westdeutschland.
Viel Diversität also, die sich in spannenden, überraschenden und vielfältigen Gesprächen äußerte, von denen ich sehr profitierte. Es gab viel Übereinstimmung, aber auch unterschiedliche Meinungen und ein paar Knackpunkte, an denen sich Diskussionen entzündeten. Doch das Interesse am anderen, die wohlwollende Haltung gegenüber neuen Erfahrungswelten und den daraus resultierenden Gedanken beeindruckte und berührte mich.
Genau so kommen wir weiter, denke ich. So entsteht ein Klima der Menschlichkeit und eine Hoffnung auf eine gute Zukunft. Kritische Punkte in Gesprächen meistern, die das Trennende benennen dürfen, aber das Verbindende suchen. Immer wieder neu ansetzen und den anderen etwas zumuten. So können wir Kompromisse aushandeln und ins Handeln kommen.
Diese Erfahrung mache ich immer wieder bei lebensMutigen Workshops und Seminaren: Achtsamkeit und Wertschätzung sind keine ausgeleierten Klischees, sondern werden gelebt. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, denen ich dort begegne, und fast immer erlebe ich ein gutes Miteinander. Alle haben ihre Ecken und Kanten genauso wie ich, aber man geht pfleglich miteinander um.
Warum ist das so? Warum kann es draußen in der „freien Wildbahn“ nicht auch so sein? Das liegt zum einen am Rahmen, der bei LebensMutig e.V. klar kommuniziert wird. Und es liegt am Interesse der Menschen, die damit arbeiten wollen. Sie begreifen Themen wie Selbstreflexion oder gelingende Kommunikation nicht als bloßen Zeitvertreib, sondern als eine Aufgabe, die es zu meistern gilt.
Wie könnte es gelingen, dass viel mehr Menschen diese Haltung, diese Aufgabe im täglichen Leben annehmen? Schulen und Einrichtungen für Erwachsenenbildung und andere ratgebende Institutionen, aber auch die Seelsorge gibt es ja. Sie alle sind Inseln im Meer einer Bleib-mir-vom Leib-Gesellschaft. Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen dieses beglückende und achtsame Miteinander kennen lernen und weitergeben. Das wäre eine gute, eine lebensMutige Vision für die Zukunft.
Die im Mai verstorbene Margot Friedländer sagte vor ein paar Jahren: Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen“. Das ist ein wahrhaftig einprägsames Motto. Und ich füge hinzu: Seid menschlich und lebensmutig.
Gesine Hirtler-Rieger
www.schreibwerkstatt-passau.de




